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Nützlich und liebenswert - die Blindschleiche

Die Blindschleiche (Anguis fragilis) ist eine über fast ganz Europa verbreitete Vertreterin der Schleichen. |
Die liebenswerte und nützliche Blindschleiche ist bei warmen Wetter vor allem in den frühen Morgenstunden und während der Abenddämmerung unterwegs. Nach warmen Regenfällen verlässt sie aber auch zu anderen Tageszeiten ihren unter Moospolstern, in morschen Baumstümpfen oder unter Steinen und Fallholz befindlichen Unterschlupf , um auf Nahrungssuche zu gehen. Sie ist in lichten Laubwäldern, auf Wiesen und Bahndämmen genauso anzutreffen wie in Gärten und Parks. Sie bewegt sich in dichten, deckungsreichen, krautigen Pflanzengestrüpp, im Moos und in verrottendem Material.
Lebensraum
In Mitteleuropa gehört die Blindschleiche zu den am häufigsten vorkommenden Reptilien. Leider wird sie auf Grund ihres beinlosen, lang gestreckten Körpers nicht selten und auch oft zu ihrem Nachteil mit einer Schlange verwechselt. Ihre typische, schleichende Bewegung und das Glänzen der glatten Schuppenhaut führte zu ihrem Namen. Im Althochdeutschen wurde sie "blendender/blinkender Schleicher" genannt. Es handelt sich also um einen verbreiteten Irrglauben, dass die Blindschleiche blind ist. In manchen Gegenden wird sie auch als "Haselwurm" oder "Hartwurm" bezeichnet. Die Blindschleiche ist ein Kulturfolger, der sich in den durch den Menschen veränderten Lebensräumen wohl fühlt und sich dort auch weiterhin aufhält und reichlich Nahrung findet. Allerdings steigen in der modernen Zivilisationslandschaft die Gefahren. Am gefährlichsten sind die Straßen, wo viele Tiere den Autotod erleiden. Auch das "Aufräumen" von "unordentlichen" Böschungen und Ruderalfluren nimmt ihnen die Versteckmöglichkeiten. Die Bekämpfung der Schnecken mit Gift führt oft auch zum Tod der Blindschleichen. Aus Unkenntnis und Abneigung gegenüber der vermeintlichen Schlange wird die völlig harmlos und nützliche Blindschleiche auch heute noch in großer Zahl von "zivilisierten" Menschen erschlagen oder einfach tot getreten, obwohl sie nach der Wiener Naturschutzverordnung - Wr. NschVO zu den streng geschützten Arten gehört.
Merkmale
Die Blindschleiche wird etwa 40 - 45 cm lang. Im Unterschied zu den Schlangen sind die Augenlider getrennt und frei beweglich, der Schwanz kann wie bei den Eidechsen abgeworfen werden und regeneriert nur unvollständig. Der Körper ist auch am Bauch von kleinen, runden Schuppen bedeckt. Letzteres bewirkt auch einen Unterschied in der Fortbewegung: während selbige bei Schlangen durch Kontraktionsbewegungen der Bauchschuppen und Rippen erfolgt, bewegt sich die Blindschleiche hauptsächlich durch Hin- und Herbewegen des Körpers. Erwachsene Tiere sind auf der Oberseite mit Braun-, Grau- bis zu Gelbtönen gefärbt. Auf der Rückenmitte zieht sich oft ein dunkler Streifen vom Kopf bis zum Schwanzende. Die Flanken sind von der Oberseite farblich deutlich dunkler abgesetzt. Manche Tiere besitzen eine intensive Blaufleckung. Die Oberseite der Jungtiere ist silbergrau mit einer schwarzen Linie auf der Rückenmitte. Jungtiere weisen dunkle Flanken und einen dunklen Strich am Rücken auf. Bei älteren Männchen sind oft einzelne himmelblaue Rückenschuppen zu finden.
Ernährung
Ihre Nahrung besteht in erster Linie aus Nacktschnecken, Regenwürmern und Raupen. Ihr nach hinten gekrümmtes Gebiss hilft ihr beim Festhalten der schlüpfrigen Nahrung. Daneben frisst sie noch gerne Asseln, Heuschrecken, Käfer und Blattläuse, Zikaden, Ameisen und kleinere Spinnen. Ihre Beute wird als Ganzes verschluckt.
Sie selbst ist Nahrung für Schlangen, Fuchs, Dachs, Wiesel, Igel, Wildschwein, Storch, Reiher, Greifvögel, Rabenvögel. In Siedlungsgebieten sind vor allem Hauskatzen, Hunde und Hühner eine Gefahr für die Blindschleiche.
Vermehrung
Zwischen Ende April und Juni ist für die Blindschleiche Paarungszeit. Nach einer Tragezeit von elf bis 14 Wochen werfen die Weibchen acht bis zwölf Junge. Bei der Geburt befinden sich die 7 bis 10 cm langen Jungtiere in einer sehr dünnen, transparenten Eihülle, die sie sofort danach durchstoßen. Sie wiegen zunächst weniger als ein Gramm und besitzen noch einen Dotterrest. In Gefangenschaft können die Tiere sehr alt werden; ein Alter von 46 Jahren ist belegt. In Österreich ist die Haltung von Blindschleichen auf Grund des Wiener Naturschutzgesetzes verboten.
Bei weiteren Fragen zu diesem Thema senden Sie eine E-Mail oder rufen Sie die Tierschutz - Helpline des Veterinäramts Wien unter der Telefonnummer (01) 4000 –8060.
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