|
ORF - Universum ist auf den Hund gekommen

Dieser Film geht den Fragen nach, ob Hunde Emotionen haben wie wir Menschen, und ob wir unseren vierbeinigen Freunden ähnlicher sind, als wir denken? |
Seit Urzeiten beste Freunde
Hunde sind seit Jahrtausenden unsere Begleiter. Sie wurden früher domestiziert als alle anderen Tiere und sie stehen uns um vieles näher. Hundebesitzer sind davon überzeugt, dass ihre Vierbeiner menschliche Emotionen bereits am Gesichtsausdruck erkennen können, dass sie viel mehr verstehen, als man erwarten würde, und dass sie einfach intelligente Wesen sind. Lange Zeit galt die Erforschung von Hunden als wissenschaftlich irrelevant, aber in den vergangenen Jahren explodierte die Hundeforschung förmlich. In zahllosen Testreihen wird nun bewiesen, was Hundefreunde immer schon wussten: Kein anderes Tier ist so auf den Menschen fixiert wie der Haushund.
Die "ORF-Universum"-Dokumentation "Auf den Hund gekommen" von Daniel Child (deutsche Bearbeitung: Barbara Fally-Puskás) geht folgenden Fragen nach: Welche Fähigkeiten haben Hunde, dass sie uns so gut verstehen? Was können sie, was andere Tiere nicht können?
Studien mit Schimpansen und Hunden
Dr. Juliane Kaminski vom Max-Planck-Institut hat Verhaltensstudien mit Schimpansen und Hunden durchgeführt. Sie wollte wissen, ob die Tiere Hinweisgesten des Menschen verstehen. Mit dem Finger deutet Kaminski auf eine versteckte Belohnung. Hunde achten auf den Fingerzeig und nehmen die Hilfestellung an. Schimpansen fällen ihre eigene Meinung und warten das Zeichen erst gar nicht ab. Dieser Verhaltensunterschied zwischen Menschenaffen und Hunden liegt in ihrer Natur. In freier Wildbahn würde ein Affe niemals einem Artgenossen zeigen, wo die Banane liegt. Hunde hingegen sind kooperative Rudeltiere, der Mensch ihr neuer Partner.
Hunde haben aber auch Verhaltensweisen entwickelt, die ihre Vorfahren keineswegs benötigten. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass sich unsere Emotionen in der rechten Gesichtshälfte wahrhaftiger spiegeln. Daher schauen wir automatisch zuerst nach links, wenn wir einem Menschen gegenüber stehen. In der Fachsprache heißt das Linksblicktendenz. Hunde haben diese Tendenz ebenfalls - allerdings ausschließlich in Anbetracht von Menschengesichtern.
Abstammung vom Grauwolf
Über die Abstammung der Haushunde wurde viel spekuliert. Erst mittels Genanalysen scheint es eindeutig erwiesen zu sein: Der Hund stammt vom Grauwolf ab. Wie aber konnte aus einer einzigen Tierart eine so große Vielfalt an Haushunden entstehen?
Dr. Ljudmila Trut mit einer domestizierten Silberfuchs in Sibirien.
Zuchtprojekt mit Silberfüchsen
Seit den 1950er Jahren läuft in Sibirien ein Zuchtprojekt mit Silberfüchsen. Man wollte wissen, ob Füchse durch selektive Auslese handzahm werden können. Zu diesem Zweck wurden immer nur die menschenfreundlichsten Tiere miteinander gekreuzt. Das Ergebnis ist erstaunlich. Nach einem halben Jahrhundert und 50 Generationen später sind aus den wolligen Kratzbürsten streichelweiche Kuscheltiere geworden, die es mit jedem Schoßhund aufnehmen können.
Verblüffend ist jedoch nicht nur ihre charakterliche Veränderung, auch Körperbau und Aussehen haben sich gewandelt. Die einst gerade Rute ist nun nach oben gekrümmt wie bei vielen Hunden, die Beine sind kürzer, die Ohren bleiben wie bei Jungtieren länger schlapp und die Farbe des Fells wurde variantenreicher. Dieses sibirische Projekt zeigt gewissermaßen im Schnellgang, wie sich die Domestikation der Hunde abgespielt haben könnte. Es wurde zum Hotspot der Forschung, und Wissenschafter aus der ganzen Welt erwarten sich hier noch einige Antworten auf die Frage, wie der Mensch auf den Hund kam.
Hunde leiden an menschlichen Krankheiten
Wie wichtig unser bester Freund noch in Zukunft für die Menschheit werden kann, zeigen die Arbeiten der Genetikern Elinor Karlsson. Hunde haben sich an den Menschen angepasst, sie teilen dieselbe Umwelt mit uns, das Haus, manchmal sogar das Bett, und sie leiden häufig an ähnlichen Krankheiten. Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Störungen und bestimmte Krebsarten treffen die Vierbeiner ebenso. Da der Genpool von Rassehunden beschränkt ist, lassen sich die krankmachenden Gene leichter und vor allem schneller festmachen als bei Menschen.
Karlsson untersucht nun gezielt jene Rassen, die besonders häufig an bestimmten Erkrankungen leiden. Sobald sie das defekte Gen gefunden hat, weiß man, wonach man beim Menschen suchen muss. So gesehen, könnten Hunde tatsächlich bald auch in dieser Hinsicht gut für unsere Gesundheit sein.
Textquelle: ORF/Universum
|