
Urteil zum Schutz der Hummer

In Wien ist eine Supermarktkette bestraft worden, weil sie lebende Hummer in engen Aquarien zusammenpfercht und zum Kauf anbietet. Der Verwaltungsgerichtshof bestätigte das Urteil. Vier weitere Anzeigen liegen vor.
Tierschützer machten auf Haltung aufmerksam
"Ein großer Schritt", kommentierte Josef Ferber vom Veterinäramt der Stadt Wien diese Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs (VwGH) in der Montag-Ausgabe des "Kurier". "Wir sind froh über das Urteil, es ist ein wichtiger Beitrag zum Tierschutz", so Amtstierarzt Alfred Kallab gegenüber wien.ORF.at.
Die konsequente Verfolgung des Themas von Veterinäramt und Tierschützern habe ein Urteil möglich gemacht, so Kallab weiter. Immer wieder sei auf die widrigen Lebensbedingungen der Krustentiere in einer Wiener Supermarktkette aufmerksam gemacht und den Fall damit ins Rollen gebracht worden.
Es wurde Anzeige erstattet, weil bis zu acht Stück der Hummer in engen Wasserbecken gehalten wurden. Aufgrund des Platzmangels türmten sich die Tiere Informationen des "Kurier" zufolge an einer Ecke des engen Aquariums. Noch dazu seien die Hummer "gefesselt", ihre Scheren seien zusammengebunden, wie Fotos dokumentierten.
Das Urteil könnte sich auf die gesamte Gourmetbranche auswirken
Aufgrund der Vorwürfe und des Beweismaterials nahm sich der VwGH des Falles an, die Supermarktkette wurde bestraft. Das Urteil der Höchstrichter verbietet es der Lebensmittelkette ab sofort, Hummer in lebendem Zustand in Aquarien zum Kauf anzubieten. Dieses Urteil könnte sich auf die gesamte Gourmetbranche auswirken.
Gegen den für die Hummerhaltung verantwortlichen Mitarbeiter der Handelskette wurde ein Verwaltungsstrafverfahren wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz eingeleitet. Es endete mit einer Geldstrafe von 316 Euro (beziehungsweise von zwei Tagen und 13 Stunden Ersatzfreiheitsstrafe). Der Mann wollte das nicht auf sich sitzen lassen und bestritt den Instanzenweg bis zum Höchstgericht.
Vier weitere Anzeigen eingebracht
Dass sich die natürlichen Lebensgewohnheiten "eingesperrter" Hummer verändern würden, liege in der Natur aller Tiere, wird der verantwortliche Mitarbeiter im "Kurier" zitiert. Auch Hunde und Katzen verändern ihre Angewohnheiten, wenn sie als Haustiere gehalten werden, argumentierte er.
Die Scheren müsse man - auch aus Arbeitnehmerschutzgründen - zusammenbinden, weil sie sehr scharf seien und für den Menschen eine nicht zu unterschätzende Gefahr darstellten. Man habe sich bei der Haltung der Tiere exakt an die internationalen wissenschaftlichen Standards und die Anleitung des Bassinherstellers gehalten.
Die Höchstrichter schenkten diesen Argumenten wenig Aufmerksamkeit: Ein Senat des Verwaltungsgerichtshofes bestätigte die Bestrafung. Das Wiener Veterinäramt hat vier weitere Anzeigen wegen unerlaubter Hummerhaltung eingebracht - gegen zwei Restaurants und zwei Fischhändler.
Hummer leben im Meer als Einzelgänger
Die Haltung der Tiere in der Wiener Supermarktkette steht im Widerspruch zu den Bedingungen, welche die normalerweise im Meer frei lebenden Tiere gewohnt sind.
Hummer sind Einzelgänger, die sich untertags in Felsspalten oder Erdlöchern verstecken und erst in der Nacht aktiv werden. In dem Aquarium des Supermarkts sei laut Informationen des "Kurier" der Boden weder mit Steinen noch mit Sand bedeckt gewesen.
Text: ORF
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