
Wildschweine als Gäste in der Großstadt

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Wildschweine kommen in der freien Wildbahn eigentlich in ganz Europa vor, auf Grund ihrer großen Anpassungsfähigkeit erobern sie sich zusehends die stadtnahen Reviere als Lebensraum und dringen auch fallweise in die dichter bewohnten Stadtgebiete vor. Wiens abwechslungsreiche Landschaft ist ein Schlaraffenland für Wildschweine. Nicht nur der Wienerwald, die naturnahen Wiesen, benachbarte landwirtschaftliche Felder und Weingärten, auch Hausgärten, Grünstreifen oder Friedhöfe werden als Lebensraum entdeckt. Sie verstehen es dabei sich den von den Menschen veränderten Lebensraum zu nutze zu machen, einzeln einwandernde Wildschweine bringen stets weitere „Familienmitglieder“ mit.
Aussehen und Ernährung
Das Wildschwein gehört zur Familie der nicht wiederkäuenden Paarhufer. Sein Fell variiert stark von hellgrau über braun bis zu tiefem Schwarz, daher kommt die weidmännische Bezeichnung „Schwarzwild“. Die Jungen, „Frischlinge“ haben bis zum 4. Monat charakteristische hellgelbe Längsstreifen. Größe und Gewicht können aufgrund der jeweiligen Lebensbedingung schwanken. Die Kopf-Rumpf-Länge kann beim männlichen Schwein, dem „Keiler“ 1,50 bis 1,80 m und die Schulterhöhe bis zu 1,10 m betragen. Keiler können 100 bis 150 kg schwer werden; weibliche Tiere, die „Bachen“ erreichen etwa die Hälfte des Keilergewichtes.
Als echter Allesfresser ernährt sich das Wildschwein sowohl von pflanzlicher als auch von tierischer Nahrung. Eicheln und Bucheckern, aber auch Feldfrüchte wie Mais, Erbsen, Bohnen, Kartoffeln und Getreide sowie Obst und Grünfutter werden gefressen. Der Eiweißbedarf wird durch Insekten, Regenwürmer, Engerlinge, Reptilien, Jungwild, Gelege von Bodenbrütern und auch Aas gedeckt. Wenn erreichbar, werden auch Gartenabfälle, Obst oder Brotreste gerne gefressen.
Lebensweise
Wildschweine leben generell in Familienverbänden, „Rotten“, in denen eine strenge Rangordnung herrscht. Bei gut gegliederten Familienverbänden mit intakter Sozialstruktur synchronisiert das älteste Weibchen (Leitbache) die Paarungsbereitschaft aller Bachen. Fehlt der steuernde Einfluss älterer Tiere auf das Paarungsgeschehen, können Bachen das ganze Jahr über „rauschig“ sein. Auch der Abschuss führender Bachen kann zu massiven Problemen führen, da die Frischlinge dann unkontrollierbar durch die Wälder streifen. Die Tragzeit bei Wildschweinen dauert 4 Monate und sie können bis zu 12 Frischlinge zur Welt bringen. Diese werden 3 Monate lang gesäugt und sind mit ca. 6 Monaten selbständig. Fühlt sich eine Bache um ihren Nachwuchs bedroht, besteht die Gefahr, dass sie angreift.
Bedeutung für den Menschen
Immer wieder kommen Meldungen von meist nächtlichen Besuchen durch Wildschweine, die den Garten durchwühlen, Beete zerstören, Komposthaufen durchsuchen usw. Bei der Begegnung mit diesen Tieren ist Vorsicht geboten, wenn sie sich angegriffen oder in die Enge gedrängt fühlen, können sie gefährlich werden.
Folgende Punkte sind unbedingt zu beachten:
- Gefütterte Wildschweine verlieren die natürliche Scheu! Sie „betteln“ um Fressen, und können dann aggressiv darauf reagieren, wenn sie ihr Ziel nicht erreichen. Wildschweine haben ein Allesfressergebiss und können damit kräftig zubeißen.
- Achtung vor Bachen (Wildschweinweibchen) mit Frischlingen. Halten Sie Abstand, geben Sie den Tieren eine Rückzugsmöglichkeit oder umgehen Sie die Tiere in großem Abstand. Kommt es zur direkten Begegnung, bleiben Sie ruhig stehen oder ziehen Sie sich langsam zurück, um den Tieren das Gefühl der Sicherheit zu geben.
- Schützen Sie Ihren Hund vor Wildschweinen, indem Sie ihn an der Leine führen. Ein Aufeinandertreffen kann für Ihren Hund tödlich enden.
Keine Angst muss man hingegen vor Wildschweinen als Krankheitsüberträger haben. Die Wildschweinpest ist auf den Menschen nicht übertragbar. Infektionsgefahr besteht hingegen für Hausschweinbestände, die es in Wien jedoch kaum mehr gibt.
Wie kann man den Garten vor Wildschweinen schützen?
- Nicht füttern! Das Wildschwein leidet keinen Hunger, es sucht nur nach „leicht zugänglichem Fressen“.
- Lassen Sie das Futter ihrer Haustiere nicht unbeaufsichtigt im Freien stehen. Wildschweine können dieses bis zu zwei Kilometer weit riechen. Auf dem Weg dorthin drücken sie Zäune um und pflügen Vorgärten um.
- Kein Vogelfutter am Boden verstreuen. Vogelfutter zieht Wildschweine an. Vögel gemäßigt, in geeigneten Futtersilos oder gar nicht füttern.
- Keine Essensreste im Garten (z. B. vom Grillabend) liegen lassen. · Mülltonnen gut verschließen. · Fallobst aufsammeln, Wildschweine lieben Obst.
- Kompost, Laub und Fallobst nicht an den Waldrand karren. Das lockt die Tiere aus dem Wald. · Komposthäufen abdecken. Gerüche vermindern.
- Verhindern Sie den „leichten Zugang“ auf Ihr Grundstück und zäunen Sie es ein. Wildschweine können springen – deshalb sollte die Höhe der Gartenumfriedung mindestens 1,20 Meter betragen.
- Wildschweine heben Maschendrahtzäune mit dem Rüssel hoch. Vorbeugend können Sie den Zaun etwa 40cm tief in die Erde eingraben und im Erdreich nach außen biegen. Das Wildschwein steht mit seinem Gewicht auf dem Zaun, ein Hochheben wird erschwert.
Wildschweine sind jagdbares Wild
Die Bejagung von Wildschweinen ist im Wiener Jagdgesetz geregelt. Haben Sie Verständnis für die Bejagung der Tiere. Natürliche Feinde wie Wolf, Braunbär und Luchs fehlen in Wien. Das Wildschwein hat, mit Ausnahmen der führenden Bache, ganzjährige Schusszeit. Bachen mit Frischlingen sind vom 1.Feber bis 31.Mai zu schonen.
Bei weiteren Fragen zu diesem Thema senden Sie eine E-Mail oder rufen Sie die Tierschutz-Helpline der Magistratsabteilung 60 - Veterinäramt und Tierschutz unter der Telefon Nummer (01) 4000–8060.
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