Tierschutz in Wien
 
 

Nacktschnecken - eine Plage in unseren Gärten

Welchem Gartenliebhaber hat noch nicht unschöne Worte über diese kriechenden schleimigen Eindringlinge ausgestoßen, nachdem sie ihm die frisch eingesetzten Blumen oder Gemüsepflanzen über Nacht „abrasiert“ hatten?
Nacktschnecken - eine Plage in unseren Gärten
© Wikipedia

Am Morgen sind nur mehr die Schleimspuren und die aus der Erde ragenden Pflanzenstummel zu sehen. Erst gegen Abend kommen sie wieder aus ihren Verstecken, um dann in der Nachtschicht das abzufressen, was sie am Vorabend bei aller Gefräßigkeit nicht mehr geschafft haben.
Spanische Wegschnecke

Nacktschnecken stammen so wie die Landschnecken von einer Urform ab, die zu Beginn des Kambriums (vor rund 500 Mill. Jahren) im Meer lebte. Diese Stammart war mit einem Gehäuse ausgestattet, das sie als charakteristisches Merkmal an alle daraus entstandenen Gruppen vererbte. Es diente der Stammart als Schutzgehäuse, in das sich das Tier bei Bedrohung zurückziehen konnte. Nacktschnecken haben im Laufe der Entwicklungsgeschichte ihr Gehäuse auf kleine Reste reduziert und es in den Weichkörper hinein verlegt. Sie benötigen den Schutz durch das Gehäuse aufgrund ihrer Lebensweise nicht (mehr). Stattdessen haben sie andere Schutzmechanismen entwickelt. Sie verbringen einen Großteil ihres Lebens in der Erde oder schützen sich durch reichliche Absonderung von Schleim, der zudem für einige potentielle Räuber widerlich schmeckt oder auch giftig sein kann. Andere Nacktschnecken haben eine relativ versteckte Lebensweise und/oder gleichen die ev. hohen Individuenverluste durch Feinde durch entsprechend viele Nachkommen wieder aus. Den Schutz vor Austrocknung, den ein Gehäuse bietet, gleichen Nacktschnecken durch den Aufenthalt in feuchten Biotopen aus. Daher kommen sie in trockenwarmen Lebensräumen nicht vor. Der Verlust des Gehäuses hat aber auch zur Folge, dass Nacktschnecken einerseits Energie einsparen für den Aufbau und auch für das Tragen des Gehäuses andererseits können sie durch die größere Beweglichkeit weitere Strecken zurücklegen und sich in enge Verstecke zurückziehen.

Bei uns vorkommende Arten sind die (Große) die Spanische Wegschnecke, die (Große) Rote Wegschnecke (diese Arten sind nur sehr schwer von einander zu unterscheiden) und der Tigerschnegel.

Die Spanische Wegschnecke

Die Spanische Wegschnecke ist die bei uns am häufigsten vorkommende Nacktschneckenart. Sie breitet sich seit Jahren in Mitteleuropa aus. Die Verbreitung erfolgte vermutlich durch Gemüseimporte von der iberischen Halbinsel In Österreich wurde die Spanische Wegschnecke erstmals 1972 entdeckt. Bei feuchtwarmem Wetter kann die Vermehrung der Spanischen Wegschnecke extreme Ausmaße annehmen - bis zu 12 pro m² (bei einem Extremfall in GB 1.000 Exemplare pro m²), was zu massiven Schäden in der Landwirtschaft und in Gärten führen kann.

Die Nahrung besteht meist aus saftigen Pflanzen (nahezu alle Arten) und Aas, wobei sie auch tote Artgenossen nicht verschmähen.

Spanische Wegschnecken sind wie alle Landlungenschnecken Zwitter, das heißt, sie haben weibliche und männliche Geschlechtsorgane. Sie begatten sich gegenseitig und tauschen dabei ein schleimiges Samenpaket aus. Im Körperinneren werden die eigenen Eizellen mit dem Sperma des Partners befruchtet. Einmal im Jahr legen die Schnecken einige Tage bis Wochen nach der Paarung ihre 200 bis 400 Eier in mehreren Gelegen ab. Die Jungtiere schlüpfen im Spätherbst oder Februar/März. Sie haben dann eine Körperlänge von ca. 10 mm. Bis zum Spätsommer erreichen sie die volle Körperlänge.

Die (Große) Rote Wegschnecke

Die (Große) Rote Wegschnecke ist ausgestreckt 12 bis 15 cm lang (in Ausnahmefällen auch bis 20 cm). Die Färbung des Mantels der Roten Wegschnecke kann sehr unterschiedlich ausfallen, von schwarz und dunkelbraun über grau, rotbraun, rot und orange. Die Jungtiere sind meist hellgelblich bis hellorange mit dunklem Kopf. Der Körper ist von großen und länglichen Runzeln bedeckt.

Die Rote Wegschnecke ist durch die eingeschleppte Spanische Wegschnecke fast völlig aus dem Kulturland verdrängt worden und kommt heute nur noch in Wäldern und feuchten Wiesen vor. Sie ist nachtaktiv, bei feuchtem Wetter auch tagaktiv. Die Nahrung besteht meist aus frischen Pflanzen, gelegentlich jedoch auch aus Aas, das mit Hilfe der Raspelzunge zerkleinert wird.

Das ursprüngliche Vorkommen der Roten Wegschnecke beschränkte sich auf Mittel- und Westeuropa. Sie ist inzwischen auch nach Nordamerika verschleppt worden. In den letzten Jahrzehnten ist die Art in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet selten geworden und steht in Bayern bereits unter Naturschutz..

Der Tigerschnegel

Der Tigerschnegel ist eine eher selten in Österreich vorkommende Nacktschnecke. Er erreicht ausgestreckt eine Länge bis 13 cm und weist auf hellbraunem oder hellgrauem Grund ein unregelmäßiges, dunkles Fleckenmuster (auf dem Mantelschild) bzw. ein Streifenmuster auf dem Fuß auf.

Die Art war ursprünglich in Süd- und Westeuropa beheimatet. Sie hat sich aber inzwischen in ganz Mitteleuropa verbreitet und ist auch in andere Regionen der Welt verschleppt worden. Er kommt in Auen, Gärten und Parks vor, ist aber auch in feuchten Kellern zu finden. Der Tigerschnegel ernährt sich von Pilzen, Moosen, welken und abgestorbenen Pflanzenteilen sowie von pilzigen Auswüchsen an totem Holz oder auch von gestorbenen Artgenossen und anderen Nacktschnecken. Der Tigerschnegel ist als Schädling für Kulturpflanzen bedeutungslos.

Bekämpfung von Nacktschnecken

Ein sehr einfaches Hausmittel zur Nacktschneckenbekämpfung ist die Bierfalle. Ein zur Hälfte mit Bier gefülltes Gefäß (z. B. ein Yoghurtbecher) lockt die Nacktschnecken an. Sie kriechen hinein und ertrinken im Bier.

Das im Kaffee enthaltene Koffein ist für die Schnecken ein starkes Nervengift, das für die Tiere tödliche Wirkung zeigt. Die Koffeinlösung ist, wie sich herausstellte, teilweise sogar effektiver ist als herkömmliche Pflanzenschutzmittel.

Molluskizide nennt man chemische Wirkstoffe zur Schneckenbekämpfung. Die als Schneckenkorn bezeichneten handelsüblichen Mittel können aus verschiedenen Wirkstoffen aufgebaut sein. Schneckenkorn mit dem Wirkstoff Eisen(III)-phosphat bekämpft selektiv Schnecken. Allerdings werden damit auch die unter Naturschutz stehenden Weinbergschnecken sowie andere Gehäuseschnecken getötet.

Natürliche Feinde haben die Nacktschnecken. wegen der starken Absonderung eines bitteren Schleims so gut wie keine. Selbst Igeln oder Für Kröten verschmähen deshalb Nacktschnecken.

Für Indische Laufenten hingegen dürften Nacktschnecken eine Delikatesse darstellen. Mittlerweile kann man sogar Laufenten zur Bekämpfung einer Schneckenplage im eigenen Garten mieten.

Die Indische Laufente auch Flaschenente genannt, ist eine von der Stockente abstammende Entenrasse, die um 1850 von Südostasien nach Europa importiert wurde, wo sie vor allem in England gezüchtet wurde.

Die Laufente hat einen langen, schlanken Körper und geht mit steil nach oben gerichtetem Hals. Sie hat einen lebhaften Charakter, ist sehr aufmerksam und agil.

In Europa werden Laufenten häufig in Gärten gehalten, da sie mit Vorliebe Schnecken und Schneckeneier vertilgen. Jedoch ist auch die Laufente ein Wasservogel und benötigt Wasser sowohl zur Nahrungsaufnahme als auch zur Gefiederpflege, weiterhin gehört Schwimmen zu ihren normalen Grundbedürfnissen. Deshalb sollte ein Schwimmgewässer in ausreichender Größe vorhanden sein. Ist kein geeigneter Teich (kleine, in Gärten oft zu findende und bepflanzte Zier- und Biotopteiche sind wegen der sehr schwierigen Reinigung und dem Vorhandensein von Fischen, Amphibien etc. nicht zu empfehlen) oder Bach vorhanden, sollte man von der Haltung von Laufenten absehen, eine Haltung ohne ausreichende Badegelegenheit ist nicht artgerecht.

 

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Bisherige Meinungen zu diesem Artikel

peter reischütz am 23.02.2012, 16:53h
Es ist zum Weinen: Die als große(rote) Wegschnecke abgebildete Schnecke ist natürlich wie immer eine spanische Wegschnecke. Gibt es nach vierzig Jahren noch immer niemanden, der die Tiere kennt.
Anni Puschner am 26.08.2011, 21:31h
Hallo,
es gibt Nützlinge, die man gegen die Nacktschneckenplage ausgießen kann (Phasmarhabditis hermaphrodita = Nematoden).
Bestellt werden können diese über die Internet-Seite:
www.nuetzlinge.de.
Habe es heuer erstmals probiert und wir haben - obwohl am Bach lebend - kaum Nacktschnecken verzeichnen können. Diese Nematoden sind eine gute Alternative zum Schneckenkorn und zudem ungiftig.
Freundliche Grüße
A.P.
 
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