
Marder in der Stadt

© Junger Steinmarder / Oliver Giel
In den Abend- und Nachtstunden kann man mit etwas Glück den ca. einen halben Meter langen, flinken, pelzigen Gesellen über die Straße, durch Buschwerk und Zäune laufen und klettern sehen,– den Marder, genauer gesagt, den Steinmarder. Oft entdecken wir aber nur seine Spuren im Schnee, auf Windschutzscheiben und Kühlerhauben unserer Autos. Im Gegensatz zu seinem nahen Verwandten, den Baummarder, der die Nähe des Menschen meidet und verborgen in den Wäldern beheimatet ist, ist der Steinmarder ein sogenannter Kulturfolger und sucht regelmäßig die Nähe menschlicher Siedlungen auf.
Der Steinmarder (Martes foina) ist eine Raubtierart aus der Familie der Marder (Mustelidae). Sein Körper ist charakterisiert durch einen langgestreckten, schlanken Rumpf und relativ kurze Gliedmaßen, einem relativ langen und buschigen Schwanz und einem weißen und oft gegabelten Kehlfleck (dieser ist im Gegensatz dazu beim etwas längeren aber leichteren Baummarder gelblich und abgerundet).
Die Heimat des Steinmarders ist Europa und weite Teile Asiens. Er bevorzugt Busch bewachsenes und felsiges Gelände und ist oft in der Nähe menschlicher Siedlungen anzutreffen, wo er sich in Parkanlagen, Scheunen oder auch Dachböden aufhält, weswegen er auch Dachmarder oder Hausmarder genannt wird.
Steinmarder sind nachtaktive, scheue Tiere, während des Tages schlafen sie in Steinhaufen und verlassenen Höhlen anderer Tiere. Auffällig und unangenehm werden sie, wenn sie unsere Häuser als Domizil auserwählen und Dachböden besiedeln. Dort bauen sie Nester aus Haaren, Federn und Pflanzenmaterial. In der Nacht gehen sie auf Nahrungssuche und nicht selten kann man insbesondere in Mansardenwohnungen das Getrappel unter dem Dach hören. Besonders laut werden die ungebetenen Gäste, während der Paarungszeit und wenn die Jungtiere herumtollen.
Steinmarder ernähren sich von erbeuteten Mäusen, Vögeln und deren Eier, Fröschen, Insekten und auch von pflanzlicher Kost, wie Beeren und Früchte. Manchmal dringen sie auch in Hühnerställe und Taubenschläge ein. Durch das panische Umherflattern der Vögel wird ihr Tötungsreflex immer wieder ausgelöst, sodass sie alle Tiere töten, selbst wenn sie nur wenige fressen können.
Die Paarung erfolgt im Sommer. Bedingt durch die acht monatige Keimruhe bringen die Weibchen aber erst im Frühling drei bis vier Junge zur Welt. Die Neugeborenen sind blind und nackt. Ein Monat nach der Geburt öffnen sie die Augen, nach einem weiteren Monat endet die Säugezeit. Im Herbst verlassen sie das Muttertier und werden selbstständig. Die Steinmarder werden meist drei, selten bis zu zehn Jahre alt.
Steinmarder markieren ihr Revier mit dem Sekret ihrer Duftdrüsen und verteidigen es vehement gegen eindringende Artgenossen. Viele Autofahrer klagen deshalb besonders in den Stadtrandbezirken, dass Steinmarder bei ihren Fahrzeugen Kabel und Schläuche zerbissen und so beträchtlichen Schaden angerichtet haben. Die Ursache dafür ist nicht, wie vielfach angenommen, die Restwärme des Motors oder der Geruch der Gummischläuche, sondern die Markierungen von Artgenossen aus einem fremden Revier, in dem das Auto zuvor abgestellt war. Der so an der Duftmarke vermutete Rivale macht den Revierinhaber schließlich äußerst aggressiv. Der effektivste Schutz um Marder vom Motorraum fernzuhalten ist eine verschlossene Garage. Auch Mardersicherungen, die den Tieren einen unangenehmen Stromschlag versetzen, ähnlich einem Weidezaun, halten Marder fern. Tierhaare, Duftsäckchen und Sprays sind hingegen nutzlos, weil sich die Marder an diese Gerüche gewöhnen. Auch Ultraschall-Geräte haben sich auf Dauer als wirkungslos erwiesen.
Um Steinmarder am Eindringen in Dachböden zu hindern ist es nötig alle Durchschlupfmöglichkeiten von mehr als 5 cm Breite zu verschließen. Jedoch sollte darauf geachtet werden die Zugänge nur dann zu versperren, wenn der Marder sicher nicht zu Hause ist. Ebenso sollte man Marder niemals im Frühjahr aussperren, wenn ihre Jungen im Nest sind. Da Steinmarder lärmempfindliche Tiere sind, kann auch ein Radio einen Marder vergrämen. Das Fangen eines Marders als alleinige Maßnahme verfehlt jedoch den erwarteten Zweck, da ein Artgenosse das freigewordene Revier umgehend besetzen wird.
Da Heimtiere wie Meerschweinchen, Kaninchen und auch Vögel ebenso wie Hühner und vor allem deren Eier vom Marder besonders als Beute geschätzt werden, sollten Freigehege mardersicher gebaut werden. Dabei müssen Spalten und Löcher in Wänden, Böden verschlossen und Überstiegsmöglichkeiten unterbunden werden. Am Abend sind Stallungen zu schließen. Ein Garten ist jedoch grundsätzlich nahezu unmöglich vor dem Marder zu schützen.
Der Marder gehört zur einheimischen Fauna wie Reh, Fuchs und Hase. Er ist ungefährlich und verursacht bei richtigem Verhalten keine Schäden. Daher sollten wir mit Toleranz und Verstand dem Marder begegnen und uns am seltenen Anblick der putzigen, menschenscheuen Gesellen erfreuen.
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Bisherige Meinungen zu diesem Artikel
Dr. Martin Reifinger am 14.10.2011, 15:11hIch übernehme schon seit Jahren verwaiste Marderwelpen bzw. verletzte Marder, um sie über eine Voliere im Garten auszuwildern (zumindest die Aufgezogenen holen sich noch monatelang regelmäßig ausgelegtes Futter, bevor sie sich verselbständigen, die Heurigen sind nach wie vor Kostkinder) sobald sie soweit sind.
Ihre Darstellung ist erfreulich objektiv und positiv und hilft, negative Vorurteile abzubauen, die leider noch weit verbreitet sind.
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