Tierschutz in Wien
 
 

Fiaker im Sommer

Eine wissenschaftliche Studie erstellt Messwerte über die Belastungen der Pferde im Sommer auf den Straßen -
Fiaker im Sommer

Fiaker im Sommer

Eine wissenschaftliche Studie erstellt Messwerte über die Belastungen der Pferde im Sommer auf den Straßen

Wien ist im internationalen Tourismus eine der beliebtesten Städte. Neben den unzähligen Sehenswürdigkeiten stellt auch eine Stadtrundfahrt mit dem Fiaker ein unvergessliches Erlebnis für die Gäste unserer Stadt dar. Die Fiaker tragen nicht unerheblich zum Flair der Stadt Wien bei. Wien konnte sich die Tradition des Fiakerwesens auch im Wandel der Zeit bewahren. Vom ursprünglich reinen Personentransport haben sich die Fiaker zu einer ganz besonderen Art die Stadt zu erleben entwickelt.

Natürlich ziehen aber die Haltung und die Arbeit mit den Pferden in einer modernen Großstadt, eigene Probleme mit sich.
Die MA 60 - Veterinäramt der Stadt Wien - ist sich der Problematik der immer wieder angesprochenen Arbeits- und Haltungsbedingungen der Wiener Fiakerpferde durchaus bewusst.

Belastungen durch Hitze?

Eines der Probleme ist die, von vielen Tierschützern immer wieder angesprochene, Belastung der Pferde durch die hochsommerlichen Temperaturen. Aus Erfahrung war schon lange bekannt, dass unsere heutigen Pferde problemlos mit hohen Temperaturen zurecht kommen. Sie konnten sich ihr Erbe zur Anpassung an die widrigsten Klimabedingungen von ihren Steppen bewohnenden Vorfahren erhalten.

Um wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse zu bekommen, wie hoch die Belastung von Fiakerpferden in Wien insbesondere bei hohen Temperaturen tatsächlich ist, hat die Stadt Wien die Veterinärmedizinische Universität mit einer Studie beauftragt. Im vergangenen Sommer wurden im Rahmen dieser Studie 12 Fiakerpferde an je drei heißen und kühlen Tagen zwischen 09.00 und 22.00 Uhr getestet. Gemessen wurden u.a. Atemfrequenz, Körpertemperatur, Dauer von Dösen und Stehen, Häufigkeiten von Kopfschütteln, Fliegenabwehr und Aufstampfen mit den Extremitäten sowie Auftreten von Schwitzen, Apathie und geblähten Nüstern. Insgesamt wurden 400 Messungen durchgeführt.

Wissenschaftliche Ergebnisse

Wesentliches Ergebnis der Studie, die Tierschutzstadträtin Sandra Frauenberger gemeinsam mit einem Maßnahmenpaket zum Schutz der Fiakerpferde am 9.7.2009 vorstellte: Es wurde zwar bei keinem der, im Rahmen der Studie getesteten und untersuchten Fiakerpferde Hitzestress festgestellt, aber die Studie weist deutlich darauf hin, dass es Rahmenbedingungen braucht, um Überforderung und Stress-Situationen wirksam vorzubeugen.

Sollte  sich ein Pferd nach einer Rundfahrt trotzdem nicht innerhalb von zehn Minuten erholen, so muss das betroffene Pferd mit kaltem Wasser abgespritzt werden. Ziel ist es, jeden Fiakerstandplatz in Wien mit Einrichtungen zum Abspritzen und Kühlen der Pferde auszustatten. Selbstverständlich müssen von den verantwortlichen Kutschern die Pferde nicht nur an heißen Sommertagen, sondern auch an kühlen Tagen mehrmals täglich getränkt werden.

Alle Fiakerbetriebe werden regelmäßig 1-2 mal pro Jahr einer unangemeldeten Kontrolle hinsichtlich der geltenden Tierschutzbestimmungen durch das Veterinäramt Wien unterzogen. Kontrollen an den Standplätzen werden laufend etwa einmal wöchentlich durchgeführt. Bei hochsommerlichen Temperaturen werden diese Routinekontrollen verstärkt. Das Befinden der Pferde wird bei über 30°C sogar täglich, auch am Wochenende, von den AmtstierärztInnen der Stadt Wien beurteilt.
Bei Verstößen gegen gesetzliche Bestimmungen werden von den AmtstierärztInnen die notwendigen Maßnahmen ergriffen. So besteht die Möglichkeit, dass Fiakerpferde aus gesundheitlichen Gründen durch AmtstierärztInnen aus dem Fahrdienst genommen werden können. Dies wird auch immer wieder im Anlassfall praktiziert. Tierärztliche Befunde müssen anschließend der Behörde übermittelt werden.

Sonnenschutz trägt zum Wohlbefinden der Pferde bei und sorgt im Falle einer Überforderung während der Rundfahrt für eine schnellere Erholung des Pferdes als unter direkter Sonneneinstrahlung. Es ist daher geplant, beim Standplatz hinter dem Burgtheater ein Sonnendach für die Fiakerpferde zu installieren. Der Startschuss dafür soll noch heuer erfolgen.

Angemerkt werden darf, dass bei beobachteten Missständen das Veterinäramt rund um die Uhr unter der Telefonnummer  der Tierschutz-Helpline (01) 4000-8060 erreichbar ist. Hier werden unter Angabe der Fiakernummer Anzeigen entgegengenommen und bearbeitet. 
Auch Unterstützung und Anregungen, die zu einer Verbesserung der Situation für Fiakerpferde führen können, sind  an obiger Telefonnummer stets willkommen.
 

 

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Bisherige Meinungen zu diesem Artikel

Maria Seidl am 04.11.2011, 20:28h
ich arbeite im 1.Bezirk (Brandstätte) und werde jeden Tag mit dem Thema "Tierleid" konfrontiert.
Es ist für mich absolut unverständlich, unter welchen Bedingungen diese wundervollen Tiere leben/arbeiten müssen.
Um ca. 9.30 Uhr höre/sehe ich sie Richtung Stephansplatz traben, um dann bis weit in den Abend (im Sommer sogar Nacht) hinein ihre Runden drehen bzw. bei jedem Wetter und unter tierunwürdigen Bedingungen herumstehen zu müssen.
Warum ist es nicht möglich, wenigstens die Arbeitsbedingungen für diese Pferde zu verbessern?
1) geregelte Arbeitszeiten (max. 8 Stunden inkl. Anfahrt und Heimfahrt)
2) Sonnen-, Regen- und Windschutz für alle Standplätze
3) Fütterung? (ich sehe kein Heu.....)
4) Haltung der Tiere (angebunden, kein Streu, keine Koppel, kein Licht)
Ich hoffe jeden Tag auf ein Wunder, dass plötzlich keine Touristen mehr herumfahren wollen (warum werden z.B. keine Fahrräder aufgestellt, mit denen die "faulen" Touristen fahren können?)
Wohin kann ich mich wenden bzw. was kann ich tun, um diesen wunderbaren Tieren zu helfen?
Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Liebe Grüße
Maria Seidl
 
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