Tierschutz in Wien
 
 

Die Natur vor der Türe

Wildtiere in der Großstadt und unser Verhältnis zu ihnen -
Die Natur vor der Türe

Die Natur vor der Türe

 

Wildtiere in der Großstadt und unser Verhältnis zu ihnen

 

Die Großstadt Wien liegt glücklicherweise mitten im Grünen und besitzt auch im Stadtgebiet große natürliche Grünflächen. Diese werden auch seit jeher von zahlreichen Wildtierarten aufgesucht und  als Lebensraum genützt. Diese tierischen Mitbewohner sind uns menschlichen Stadtbewohnern nur teilweise  bekannt, einige werden von uns verkannt und andere wieder geliebt oder gehasst.

 

Immer wieder erreichen die Tierschutz – Helpline Meldungen oder Anfragen in Bezug auf Wildtiere – nicht immer aus Freude über die tierischen Besucher.

 

Fuchse, Dachse, Biber und Marder im Garten

 

Grundsätzlich sind Anfragen nach dem Vertreiben oder sogar Töten lästiger Mitbewohner häufig – oft geht es dabei um Marder, aber auch um Dachse oder Siebenschläfer. Anlass der Beschwerden sind die Zerstörung des Gartens, nächtliche Lärmentwicklung oder der Kotabsatz in der Nähe des Hauses.

Besonders unangenehm ist es, wenn Dachse im Garten ihren Bau errichten. Da die intelligenten Tiere Ruhelagen bevorzugen, werden von ihnen meist, von Menschen wenig benützte, Gärten ausgesucht, was zur Folge hat, dass die Baue oft erst nach ihrer Fertigstellung entdeckt werden. Dass dadurch auch der naturverbundenste Gärtner verstört ist, ist nur allzu verständlich; gefährlich wird es dann, wenn der fanatische Kleinterrier des Gartenbesitzers in den Bau eindringt und dort dem wehrhaften Dachs gegenübersteht.

 

Der gar nicht seltenen Meldung von Füchsen in Gärten oder gar auf Terrassen oder ähnlichem liegt oft die Angst einerseits vor dem wilden Raubtier, andererseits vor dem gefährlichen Krankheitsüberträger zugrunde. Zahme oder halbzahme Füchse gelten nach wie vor in der Meinung der Menschen als tollwütig – dass zahlreiche MitbürgerInnen, dem pelzigen Hündchenschema des Fuchses erliegend, diesen bewusst füttern und dadurch zahm machen, wird oft außer Acht gelassen.
Gerade im Wiener Raum ist die Fuchstollwut bereits seit weit über einem Jahrzehnt nicht mehr aufgetreten, daher ist diese Sorge zumindest zur Zeit unbegründet. Die Möglichkeit, dass parasitäre Erkrankungen übertragen werden, ist natürlich gegeben, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit relativ gering.

 

Seltener sind Begegnungen mit Bibern, die sich – obwohl sie bei uns bereits ausgestorben waren – mittlerweile immer mehr Lebensraum in unserer Stadt zurückerobern.

 

Keine Angst vor Schlangen

 

Es ist üblich, dass wir Menschen erschrecken, wenn wir Schlangen begegnen. Meist wird vergessen, dass die im Wiener Raum lebenden heimischen Schlangen durchwegs harmlos und ungiftig sind. Natürlich will niemand auch ein noch so harmloses Reptil in der Wohnung oder gar im Bett, und so müssen die Wiener Feuerwehr und die Tierrettung jährlich zahlreiche Schlangen bergen und in die Freiheit zurückbringen.

 

Ganz anders stehen die meisten von uns Stadtbewohnern Tierarten wie Igeln oder einigen Vogelarten gegenüber. Wir freuen uns über ihre Anwesenheit und tun alles dafür, dass sie bleiben. Dazu zählt auch oft die Fütterung dieser Tiere, obwohl diese manchmal gar nicht notwendig ist. Auch das Bergen von vermeintlich hilflosen Jungvögeln kommt häufig vor – damit wird jedoch den Tieren häufig mehr geschadet als genützt.

 

Enten und andere Wasservögel

 

Jährlich wiederkehrend sind die Meldungen über Enten, die, irregeführt von ihrem Instinkt, ihre Eier an den unmöglichsten Plätzen fernab von Gewässern ausbrüten und deren Küken daher keine Überlebenschance hätten. Häufig sind Anrufe wegen Entenfamilien auf extrem hoch gelegenen Balkonen oder solchen, die auf der Suche nach einem geeigneten Lebensraum mehrspurige Strassen überqueren. Meist können diese Tiere erfolgreich von Feuerwehr, Tierrettung oder Mitarbeitern des Veterinäramts eingefangen und in geeigneten Gewässern ausgesetzt werden.

 

Fledermäuse sind geschützt

 

Hin und wieder erleben WienerInnen besonders ungewöhnliche Begegnungen in den eigenen vier Wänden, wenn sie von Fledermäusen aufgesucht werden. Diese streng geschützten Tiere verfliegen sich manchmal in Wohnungen, machen sich aber meist in der Dämmerung wieder auf den Weg ins Freie. Die bei uns heimischen Arten haben als reine Insektenfresser mit dem in der Literatur verbreiteten Mythos des Blutsaugers gar nichts zu tun, Furcht vor ihnen ist daher völlig unbegründet. Durch Dachbodenausbauten oder das Fällen alter Bäume mit Höhlen wird ihr Lebensraum in der Stadt immer eingeengter.

 

Bizarre Insekten

 

Erschreckend, aber harmlos ist für manche Menschen auch die Begegnung mit einer Gottesanbeterin. Diese zugegeben furchterregend anzusehenden großen Insekten faszinieren durch ihre erhobenen Fangarme und ihre großen Augen. Als Fangschrecken leben sie von anderen Insekten und tun Menschen nichts zuleide. Diese seltene und streng geschützte Art ist äußerst interessant zu beobachten, ihr Vorkommen in einer Großstadt ist einerseits Zeichen für einen halbwegs intakten Kleinlebensraum, andererseits nimmt ihre Verbreitung mit der Klimaerwärmung wieder stetig zu.

 

Alle aufgezählten Arten und viele andere in unserer Stadt vorkommenden Tiere zeigen uns, wie viel Natürlichkeit eigentlich noch in unserer unmittelbaren Umgebung vorhanden ist. Auch wenn die Umstände ihres Erscheinens uns manchmal lästig sind und wir sie hin und wieder als störend in unserer Wohnumgebung empfinden, so handelt sich doch oft um Tierarten, die selten und daher auf den Schutz und die Rücksichtnahme durch den Menschen angewiesen sind. Die Begegnung mit ihnen bringt uns Natur ganz nahe und sollte daher von uns Großstadtbewohnern als positive Erfahrung wahrgenommen werden.

 

 

 

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