Tierschutz in Wien
 
 

Amsel, Drossel, Fink und Star

Spätestens jetzt, wo die Tage wieder wärmer und länger werden, zieht es vermehrt hinaus in die Natur. Beim Spazierengehen, im Park, aber auch bei der Gartenarbeit werden immer wieder Jungvögel gefunden, die augenscheinlich verlassen sind und ohne Hilfe des Menschen verloren wären.
Amsel, Drossel, Fink und Star
© Foto: Wikipedia

Bitte lassen Sie sich vom ersten Eindruck nicht täuschen, sondern versuchen Sie herauszufinden, ob es sich bei dem aufgefundenen Jungtier tatsächlich um ein verwaistes, hilfloses Tier handelt. Ein großer Teil der jährlich „geretten“ Jungvögel würde vermutlich gar keine menschliche Hilfe benötigen, sondern wäre durchaus in der Lage allein zu überleben. Eine wesentliche Rolle spielt dabei das Alter des Tieres.

Von Nestlingen und Ästlingen

Nestlinge sind nackte oder kaum befiederte Jungvögel. Sie leben als so genannte Nesthocker noch im Nest ihrer Eltern .Gelegentlich kommt es vor, dass ein vorwitziger Nestling aus dem Nest fällt. Er benötigt dringend Hilfe, denn er ist allein nicht überlebensfähig und wird außerhalb des Nestes nicht von seinen Eltern gefüttert. Setzen Sie einen Nestling wieder zurück in sein Nest, damit er weiterhin von seinen Eltern versorgt werden kann. Scheuen Sie sich nicht davor, den jungen Vogel zu berühren, denn entgegen anders lautender Aussagen nehmen die Eltern ihren Nachwuchs auch weiterhin an.

Davon zu unterscheiden sind Jungvögel die das Nest oder die Bruthöhle bereits verlassen haben aber noch nicht flügge geworden sind. Da sie auf Ästen sitzend von den Altvögeln weiterversorgt werden, werden sie „Ästlinge“ genannt.

Zwar können Ästlinge bereits fliegen, aber sie sind noch nicht dazu in der Lage, sich vollständig selbst zu ernähren. Unter Anleitung ihrer Eltern lernen sie die Umgebung kennen und werden noch einige Tage von ihnen mit Futter versorgt. Zwangsläufig müssen die Elterntiere ihren Nachwuchs über längere Zeiträume allein lassen, um nach Futter zu suchen. Solche Vögel werden oft in der Wiese als vermeintliche Waisenkinder entdeckt. Bitte nehmen Sie diese Tiere nicht mit! Altvögel suchen ihre verloren gegangenen Ästlinge bis zu 24 Stunden lang. Es ist daher auch sinnvoll einen Findling schnell an den Fundort zurückzubringen!

Ich habe einen Jungvogel an einem gefährlichen Ort gefunden

Finden Sie einen Jungvogel an einem offensichtlich gefährlichen Ort – zum Beispiel am Strassenrand - heben Sie ihn vorsichtig hoch und setzen Sie ihn an einen sicheren Ort, also zum Beispiel in ein Gebüsch. Im Unterschied zu vielen Säugetiereltern nehmen Vögel ihren Nachwuchs weiterhin an, obwohl man ihn mit seinen Händen berührt hat

Wichtig: Jungvögel sollten in einem Umkreis von maximal 25 Metern rund um den Fundort wieder abgesetzt werden, denn dieser Bereich befindet sich innerhalb des Areals, in dem die Elterntiere ihr Junges vermuten. Durch ihr lautes Rufen machen die Jungvögel ihre Eltern rasch auf sich aufmerksam und werden dann normalerweise weiterhin von ihnen mit Nahrung versorgen.

Ich habe einen verletzten Jungvogel gefunden

Untersuchen Sie genau, ob der von Ihnen gefundenen Vogel wirklich verletzt ist. Oft macht ein hilflos am Boden sitzender, schreiender Findling diesen Eindruck, obwohl er in Wirklichkeit gesund und munter darauf wartet, dass seine Eltern zurückkommen um ihn zu füttern.

Man kann versuchen schnellen Schrittes auf den Vogel zuzugehen und ihn durch laute Geräusche (beispielsweise in die Hände klatschen) zu erschrecken. Gesunde Tiere fliegen dann meist auf.

Untersuchen Sie den Findling vorsichtig auf äusserlich erkennbare Verletzungen (gebrochener Flügel, Blutspuren). Verletzte Tiere können in Wien durch die Tierrettung abgeholt und, falls notwendig, einer tierärztlichen Versorgung zugeführt werden.

Bitte bedenken Sie: Jungvogelpflege und –aufzucht ist sehr zeitintensiv, aufwändig und verlangt einiges an Know How. Neben der Schwierigkeit, die Tiere überhaupt „durchzubringen“, kommt es bei handaufgezogenen Vögeln häufig zur Fehlprägung auf den Menschen. Diese Tiere können in der Natur nicht mehr überleben. Überlassen Sie die Pflege von Jungvögeln Spezialisten oder erkundigen Sie sich zumindest eingehend was zu tun ist.

Nicht unwichtig ist in diesem Zusammenhang auch der rechtliche Aspekt. Grundsätzlich sind das Fangen, der Besitz und das Halten von naturgeschützten Tieren verboten. Im Wiener Naturschutzgesetz gilt dieses Verbot allerdings nicht für die notwendige Pflege verletzter Tiere bis zu ihrer Wiederherstellung. Dann allerdings müssen die Tiere wieder der Natur zurückgegeben werden. Dies bedeutet, dass bereits bei der Aufzucht die Tiere nach Möglichkeit an ein Leben in der Natur gewöhnt werden müssen

Ein Sonderfall – der Mauersegler

Diese in Wien und Umgebung häufig vorkommenden Vögel stellen eine Ausnahme von der Regel,“ Ästlinge sitzen lassen“ dar. Wenn sie einen jungen oder auch erwachsenen Mauersegler am Boden sitzend finden, gehen Sie nicht vorbei. Diese Tiere brauchen ihre Hilfe, da am Boden sitzende Jungvögel nicht gefüttert werden und Altvögel vom Boden nicht mehr auffliegen können.

Mauersegler setzt man zum Abfliegen in die hohle Hand und hält diese in die Höhe.

Jungvögel können durch die Tierrettung abgeholt und in eine geeignete Aufzuchtstation gebracht werden

Zusammenfassung:

  • Nicht jeder Jungvogel der am Boden sitzt, ist verletzt
  • Beobachten sie den Jungvogel über einen längeren Zeitraum- meist sind die  Eltern in der Nähe
  • Von Menschen aufgezogene Vögel können in der Natur oft nicht überleben
  • Nehmen sie einen Jungvogel keinesfalls mit nach Hause, sondern setzen sie ihn auf einen Busch oder Baum in der Nähe.
  • Da sich Vögel nur wenig am Geruchsinn orientieren, wird ein Jungvogel von seinen Eltern, auch wenn sie den Vogel angegriffen haben, problemlos wieder angenommen
  • Niemand kann einen Jungvogel so gut betreuen wie die Eltern selbst
  • Tier- und Naturschutz stellen an uns Menschen hohe ethische und fachliche Anforderungen. Versuchen wir bei unserem Handeln das Wohl der Tiere nicht aus den Augen zu verlieren.

Bei weiteren Fragen zu diesem Thema senden Sie eine E-Mail oder rufen Sie die Tierschutz - Helpline der MA 60 - Veterinäramt und Tierschutz unter der Telefonnummer (01) 4000–8060.

 

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Bisherige Meinungen zu diesem Artikel

rosa heissig am 11.05.2011, 14:29h
In unserem Garten am Kafkasee in Pellendorf lkeben viele Vögel, die wir leider nicht alle kennen. Amseln und Drosseln, Spatzen, Meisen und sogar eine Kautzfamilie teilten sich ihre Baumhäuser schon. 4 junge Käuze haben vor 3 Jahren ihre Eltern Tag und Nacht so lange auf Trabb gehalten, bis sich ihr Vater aus dem staub gemacht hat. Jeztt sind längst alle schjon weitergezogen. Nur ein schöner Graureiher kommt sich seit Jahren seine Mahlzeiten aus unserem Teichwasser holen. Schön ist mein Frühling immer noch im Garten, den ich schon seit 1973 habe und meine Familie inzwischen schon längst ausgeflogen ist. Mein Mann im Vorjahr in die ewigen Jagdgründe...dorthin wo man wirklich keinem tier mehr etwas zu leide tut. lg Rosi Heissig
 
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